Vollgeld-Initiative kommt vor's Volk.
Worum geht es?

Es geht bei der Vollgeld-Initiative also um die Frage:

Wer soll unsere Franken herstellen:
Private Banken oder die Nationalbank?

Was verändert die Vollgeld-Initiative in meinem Alltag?

von Thomas Brändle, Zug, Parlamentarier, gewerblicher Unternehmer und Schriftsteller

«Ich weiss, einige von Ihnen denken, wir hätten eigentlich Wichtigeres zu tun. Aber nach meiner Einschätzung verhält es sich nämlich so, dass wir Dutzende von Problemkreisen in Parlamenten nicht mehr diskutieren müssten, wenn wir die Organisation des Geldes überdenken würden. Ich bin der Meinung, dass meine Fragen jeden einzelnen Menschen direkt betreffen.»

Am 11. Februar 2007 reichte ich im Zuger Parlament als Kantonsrat der FDP-Fraktion eine Interpellation zum Schweizerischen Geld- und Bankenwesen ein; 100 Jahre nach der Gründung der SNB. Obiges Zitat stammt aus meiner Entgegnung auf die damals mager ausgefallene Beantwortung meiner Fragen durch den Zuger Regierungsrat. Mit dem Zustandekommen der Vollgeld-Initiative sind nun auch die nationalen Politiker gezwungen, sich mit unserem Geldsystem auseinanderzusetzen; obwohl sie das aufgrund der 2008 ausgebrochenen Banken- und Schuldenkrise längst hätten tun müssen.

Die Gründe, warum ich aus Sicht eines Freisinnigen und Gewerbetreibenden die Vollgeld-Initiative unterstütze, widerspiegeln sich sehr gut im Papier «Wie passt die Vollgeld-Initiative zu den finanz- und wirtschaftspolitischen Forderungen der FDP», zu finden hier, wo die Initiative auch mit den Positionspapieren aller anderen Parteien abgeglichen ist.
Abgesehen davon, dass sich nach wie vor viele schwer tun, die Geldschöpfung durch die Banken zu begreifen, geschweige denn die damit einhergehenden Probleme zu erkennen, fragen sich viele, welche Auswirkungen die Vollgeldreform auf das eigene Leben hätte. Ja genau, was verspreche ich mir persönlich von der Umsetzung der Vollgeld-Initiative für meinen direkten persönlichen Alltag?

Geldherstellung als Allgemeinwissen
«Bürger, Anleger und Ökonomen haben sich lange Zeit viel zu wenig mit dem Geld-, Währungs- und Bankwesen befasst, eine der mannigfaltigen Ursachen der Finanzkrise. Diese hat zuerst die Manager der Bankkolosse entzaubert und dann die Regierungen. Wenn nun die Geldpolitiker an der Reihe sind, ist dies gesund. Eine mündige Zivilgesellschaft gründet nicht auf Illusionen», schrieb Peter Kuster 2011 in einem Leitartikel der Schweizer Wochenzeitung Finanz und Wirtschaft als Chefredaktor (Kuster ist heute Direktor bei der Schweizer Nationalbank).
Man sollte nicht mehr ständig erklären müssen, wie unser Geld hergestellt wird und wie es in Umlauf kommt. Es sollte so selbstverständlich Teil des Allgemeinwissens sein, wie die Tatsache, dass die Erde keine Scheibe ist.

Vollgeld als Werteschaffer
Vier Fünftel des von den Banken geschöpften Geldes fliesst direkt in Spekulationsblasen. Geld vermehrt sich dort eine gewisse Zeit schneller und rentabler (ohne dass eine eigentliche Wertschöpfung stattfindet) als in der Realwirtschaft. Als Gewerbetreibender, der zum Aufbau oder Ausbau seines Unternehmens Kredite braucht, steht man also nicht nur im Wettbewerb mit Branchenkonkurrenten, sondern auch im Wettbewerb mit einer sinnfreien, virtuellen Parallelwelt. Wenn sich diese dann in Luft auflöst, wird ungefragt der Steuerzahler (und Arbeit wird höher besteuert als Kapital!) zur Kasse gebeten (z.B. UBS Herbst 2008).
Der gewerbliche Unternehmer bezahlt also nicht nur höhere Zinsen auf ein ungesetzliches, privates Zahlungsmittel, sondern verliert allenfalls auch noch das durch Arbeit geschaffene Eigentum, welches durch die unaufhörliche Geldvermehrung ständig entwertet wird. Willkommen im Hamsterrad!

Vollgeld gegen Stress
Das viele, von den Banken geschaffene, digitale und verfassungsmässig nicht legitimierte Zahlungsmittel Buchgeld vagabundiert um die Welt und sucht Anlage. Nicht nur steigen dadurch die Preise auf Rohstoffe, Boden und Immobilien, was unseren Lebensunterhalt verteuert, sondern es erhöht auch das Tempo im Hamsterrad. Mit Vollgeld können wir wieder Durchatmen!

Vollgeld für Steuersenkungen
Viele Gemeinwesen sind unter Spardruck. Sie müssen sparen und die Steuern bei denen erhöhen, die sich nicht wehren können. Das sind jene, die keine Lobby haben und jene, die nicht abhauen können. Gleichzeitig verzichten Bund und Kantone auf Mehreinnahmen aus der Geldherstellung durch die Banken. Wir sprechen hier von mind. CHF 1000 pro BürgerIn und Jahr.

Vollgeld schafft Fairness
Wer eine Banklizenz hat und selbst Buchgeld herstellen kann und selbst Buchgeld herstellen kann, kann seine eigenen Investitionen unschlagbar günstig finanzieren und rentieren damit schneller als jene, die sich das Geld erst verdienen oder zinspflichtig ausleihen müssen. Mit Vollgeld wären der Gewerbetreibende und seine Mitarbeitenden nicht mehr einem unfairen Wettbewerb ausgesetzt.

Vollgeld ist krisensicher
Erst recht in wirtschaftlich turbulenten Zeiten sollte man sicher sein dürfen, dass das Ersparte morgen noch da ist. Das zu garantieren ist Aufgabe des Gemeinwesens und nicht von profitorientierten Firmen. Eigentlich müsste diese Forderung eine Selbstverständlichkeit sein, weil sie alle SchweizerInnen betrifft. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Wirtschaftskapitäne und Bundesbeamten damit so schwer tun. Zum Glück haben wir ein System, in dem besorgte Bürger auf offensichtliche Missstände aufmerksam machen dürfen.

Vollgeld schafft Vertrauen
Unsere gesamte Gesellschaftsordnung ist auf Vertrauen aufgebaut. Deshalb ist die Krise, in der wir uns befinden, im Grunde eine Vertrauenskrise. Heute versteht niemand mehr, wie das Geldsystem funktioniert. Selbst Ökonomen und Banker haben den Durchblick verloren. Keiner kann mehr sagen, was in einem halben Jahr sein wird. Prognosen sind unmöglich geworden. Dennoch tun alle so, als wäre alles völlig normal. Die Realität ist mehr Schein als Sein. Wie soll man so in die Zukunft vertrauen? Die Frage ist, wie lange es dauern wird, bis dies allen Menschen klar wird. Der Moment wird kommen. Wohl spätestens dann, wenn Negativzinsen die private Altersvorsorge Monat für Monat langsam auffressen und einem erklärt wird, dass auch das normal sei. Der ganz normale Wahnsinn halt. Soweit müsste es nicht kommen. Wir haben es selbst in der Hand. Vollgeld schafft Vertrauen durch Einfachheit und Transparenz. Leider ist dies nicht im Sinne vieler Profiteure der gegenwärtigen Situation. Das schreckt uns aber nicht ab, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln weiter Pionierarbeit zu leisten. Das Geldsystem ist die Basis jeder Wirtschaft. Wollen wir in Zukunft wieder eine Wirtschaft, die im Dienste der Menschen steht und nicht umgekehrt, muss zuerst die Grundlage dafür geschaffen werden. Die Vollgeld-Reform ist somit auch ein wichtiger Schlüssel zu einer humaneren Wirtschaft, einem friedlicheren Alltag.

Die Vollgeld-Initiative verwirklicht, was die meisten Menschen heute schon für Realität halten:
Geldschöpfung allein durch die Nationalbank

JA zur Vollgeld-Initiative: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank! NEIN zur Privatisierung des Schweizer Frankens


Wie Banken Geld herstellen und Vollgeld-Initiative - in 1 Minute erklärt:

ARD erklärt Geldschöpfung und stellt Vollgeld-Initiative vor: